weisse linie


Wolfgang Sohm zu „Concrete 9:52pm“, einer Installation
von Eva Maria Schartmüller:

Eine Waschmaschine als Projektion vice versa einer Klebung. Beides als provozierte projizierte Handlung. Abwesenheit ist hier materiell determiniert, hängt in dem Innen als auch Außen eines Raumes. Spitzenunterwäsche - Kombinege, Slip, Unterhemd sowie ein Büstenhalter. Alle auf Drahtbügeln. Das wird als Betoniertes, in seiner Form fixiert, zu einer umgestülpten Wahrnehmung.
Die Wahrnehmung ist dabei Hintergrund der Projektion sowie der Stützung als auch Auflösung der Stützen, die dem Stahlbeton entsprechend als metallarmierter Stoff die Form fixierend, in der biografischen Erinnerung einer Autorin verbleibt, die sich in den Umgebungsvorgang eingefasst findet. Dieser Solitair des Daseienden, dieses Begreifen, diese Fixierung respektive Fassung eines Handlungsfluxes bis in seine Erstarrung, ist eigentliche Vorstellung und somit Projektion. Darin ergibt das Säubern als konkretes Element der Entfernung, ebenso wie Beton in diesen Raum fixiert, eine Wahrnehmungsabbildung, die als kollektives biografisches Bild all der Waschungen und Werbesendungen dazu, diese als ritualisiertes Handeln in einer von ihrem Ursprung abgeschnittenen Welt befindlich, in dem Kellerraum, in dem die Arbeitsteile entstanden, hier nun fixiert imaginiert.

Beton als Projektion bedarf vielleicht zweier Handlungen. Einerseits der Handlung der Waschung, hin zu einer erhofften Auflösung, andererseits der Verfestigungsvorgänge. Weg von einem Spielraum. Hin zu einem fixen Dasein. Eine Bewegung zwischen Fixierung und Auflösung der Fixierung ist als Spannung auch hier Teil der Projektion, die sich als Kern in der Installation des Videos sowie in einer Lichtinszenierung der Objekte erweitert. Das Warmlicht und das Kaltlicht, die Kleisterlösung und die Zementwassermischung sind beide Amalgam der Existenz. Eine nicht sich vollständig durchdringen könnende uferlose Verbindung aus fester Form und Suche nach der unbestimmten Form - der Bewegung. Das Warmlicht korreliert mit einer Waschung, das Kaltlicht mit der Zementierung. Die Zementmischung entscheidet bei Tageslicht sichtbar die Unlösbarkeit. Wir sind in einer ausweglosen Situation. Einfach fixiert. Nur die Werbebotschaft behält hier Platz. Darum wird die Autorin auch beschreiben: „Zurück bleibt eine leere Hülle“. Dieser Satz findet sich neben dem Eingang in den betonierten Raum. Concrete 9:52pm ist eine Installation von Eva Schartmüller aus dem Jahr 2010.

Wolfgang Sohm | http://conceptual-now.org | sohm@a-r-t.cc



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